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Erdbahn
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top
| Erdbahn | Erdbahn | Erdbahn |
|---|---|---|
| Mittlere elliptische Bahnelemente , bezogen auf die mittlere Ekliptik und das mittlere Äquinoktium zur Epoche J2000.0 | Mittlere elliptische Bahnelemente , bezogen auf die mittlere Ekliptik und das mittlere Äquinoktium zur Epoche J2000.0 | Mittlere elliptische Bahnelemente , bezogen auf die mittlere Ekliptik und das mittlere Äquinoktium zur Epoche J2000.0 |
| Große Halbachse | 1,000 001 017 8 AE 149 598 022,96 km | [ 1 ] |
| Numerische ExzentrizitÀt | 0,016 708 634 2 | [ 1 ] |
| Neigung gegen die Ekliptik | 0° | [ 1 ] |
| Ekliptikale LÀnge des Perihels | 102,937 348 08° | [ 1 ] |
| Mittlere ekliptikale LÀnge der Erde zum Zeitpunkt J2000.0 | 100,466 456 83° | [ 1 ] |
| Mittlere siderische Bewegung | 0,985 609 112 5°/Tag Periode: 365,256 363 2 Tage | [ 2 ] |
| Mittlere tropische Bewegung | 0,985 647 358°/Tag Periode: 365,242 190 4 Tage | [ 2 ] |

Die Erdbahn ist die Umlaufbahn (oder Revolution) der Erde um die Sonne. Sie ist somit der Weg, den die Erde bei ihrem jÀhrlichen Umlauf um die Sonne beschreibt.

Contents

‱ Form
‱ Lage
‱ Sonnenbahn
‱ Siehe auch
‱ Weblinks

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Bahngeometrie

Form

Die Erdbahn kann in guter NĂ€herung als Ellipse mit der Sonne in einem ihrer beiden Brennpunkte gemĂ€ĂŸ dem ersten Keplerschen Gesetz beschrieben werden.

Diese Ellipse weicht mit einer numerischen ExzentrizitĂ€t Δ Δ {\displaystyle \varepsilon } von 0,0167 nur sehr wenig von einer Kreisbahn ab. FĂŒr das bloße Auge ist der Unterschied zwischen einer solchen kreisĂ€hnlichen Ellipse und einem Kreis nicht feststellbar, sie erscheint wie ein etwas aus dem Mittelpunkt verschobener Kreis. Der sonnennĂ€chste Punkt ist das Perihel, der sonnenfernste Punkt ist das Aphel.

Die große Halbachse a der Erdbahn betrĂ€gt 149,598 Millionen Kilometer (eine Astronomische Einheit, AE). Dies ist gleichzeitig der mittlere Abstand zwischen Erde und Sonne, wenn die Mittelwertbildung gleichmĂ€ĂŸig entlang der Bahn erfolgt.cite-ref-lehnen-kessenich-tab4-3-0[3] Im Perihel ist die Erde 147,095 Millionen Kilometercite-ref-nasaearthfactsheet-4-0[4] von der Sonne entfernt, wĂ€hrend es im Aphel 152,100 Millionen Kilometercite-ref-nasaearthfactsheet-4-1[4] sind. Diese beiden Extremwerte weichen vom Mittelwert nur um 1,67 % ab.cite-ref-perihel-aphel-5-0[5]

Im zeitlichen Mittel betrÀgt der Abstand zwischen Erde und Sonne etwas mehr als eine AE (nÀmlich 1,00014 AE), da sich die Erde wegen ihrer ungleichförmigen Bahngeschwindigkeit etwas lÀnger in Sonnenferne aufhÀlt als in SonnennÀhe.cite-ref-lehnen-kessenich-tab4-3-1[3]cite-ref-tatum-celmechs-9-11-6-0[6]

Ihre wĂ€hrend eines Umlaufs unterschiedlichen Positionen auf der Umlaufbahn fĂŒhren zur Parallaxe in den beobachteten Sternpositionen und zu Variationen von bis zu ±8,3 Minuten in den Lichtlaufzeiten zwischen Beobachtungsobjekt und Erde.

Die LĂ€nge der Erdbahn liegt bei etwa 940 Millionen km.cite-ref-meeusastralgkap33-7-0[7] Die Erde bewegt sich pro Tag ca. 2,57 Millionen km auf ihrer Bahn, das sind etwa 202 Erddurchmesser. In einer Sekunde ĂŒberstreicht die Strecke Erde–Sonne eine FlĂ€che von ĂŒber 2 Milliarden kmÂČ; dieser Wert ist nach dem zweiten Keplerschen Gesetz (dem „FlĂ€chensatz“) konstant.

Da die Erde einen massereichen Mond besitzt, kreist nicht wie bei mondlosen Planeten ihr Mittelpunkt auf der Kepler-Ellipse um die Sonne, sondern der gemeinsame Schwerpunkt von Mond und Erde (das Baryzentrum des Erde-Mond-Systems). Dieser Schwerpunkt liegt zwar noch im Erdinneren – in ca. 1700 km Tiefe – aber im Mittel etwa 4670 km vom Erdmittelpunkt entfernt. Der Erdmittelpunkt selbst kreist um den Schwerpunkt und vollfĂŒhrt folglich eine Schlangenlinie entlang der Ellipsenbahn, mit einer Schwingung pro Monat. Wenn von der „Erdbahn“ gesprochen wird, ist in der Regel die gleichmĂ€ĂŸige Ellipsenbahn des Schwerpunkts gemeint, nicht die wellige Bahn der Erde selbst. Bei Angabe der Zeitpunkte, in denen bestimmte Bahnpunkte durchlaufen werden (z. B. der FrĂŒhlingspunkt oder das Perihel), ist zu unterscheiden, ob die Angabe sich auf den Erde-Mond-Schwerpunkt oder auf den Erdmittelpunkt bezieht. Siehe hierzu auch die Abschnitte →Lage der Apsiden und →Störungen in LĂ€nge.

Umlaufrichtung und Geschwindigkeit

Die Erde bewegt sich auf ihrer Bahn rechtlÀufig, also vom Polarstern aus betrachtet gegen den Uhrzeigersinn. Die durchschnittliche Bahngeschwindigkeit betrÀgt 29,7859 km/scite-ref-explsuppl-s700-8-0[8] (107.229 km/h). Sie schwankt zwischen 30,29 km/scite-ref-nasaearthfactsheet-4-2[4] im Perihel und 29,29 km/scite-ref-nasaearthfactsheet-4-3[4] im Aphel.

Die Geschwindigkeit der Erde wĂ€hrend ihres Umlaufs fĂŒhrt zur Aberration des beobachteten Sternenlichts. Ein weiterer Effekt der Bahngeschwindigkeit ist die im Jahresrhythmus schwankende Dopplerverschiebung der WellenlĂ€nge des Lichts (bzw. enthaltener Spektrallinien) insbesondere von solchen Fixsternen, die sich nahe der Bahnebene befinden.cite-ref-9[9]

Lage

Lage der Bahnebene

Wie stets wenn ein Himmelskörper seine Bahn unter dem Einfluss einer Zentralkraft durchlĂ€uft, liegt auch die Bahn des Erde-Mond-Schwerpunkts in einer Ebene. Es gibt keine seitwĂ€rts wirkenden KrĂ€fte, welche die Bahn senkrecht zur Bahnebene krĂŒmmen könnten. Diese Bahnebene wird auch Ekliptikebene oder kurz Ekliptik genannt und dient unter anderem als Referenzebene fĂŒr astronomische Koordinaten.

Denkt man sich die Bahnebene unendlich nach allen Seiten fortgesetzt, so ergibt ihre Schnittlinie mit der scheinbaren Himmelskugel einen Großkreis rund um den Himmel, den man ebenfalls als Ekliptik bezeichnet. Vom Mittelpunkt der Sonne aus betrachtet wandert die Erde entlang dieser Ekliptik-Linie einmal im Jahr rund um den Fixsternhimmel. Von der Erde aus gesehen ist es die Sonne, die im Verlaufe ihrer jĂ€hrlichen Wanderung durch die Fixsterne entlang der Ekliptik lĂ€uft.cite-ref-10[Anm. 1] Genaueres hierzu siehe im Abschnitt →Sonnenbahn sowie im Artikel →Sonnenstand. Die von der Sonne aus gesehene Position der Erde und die von der Erde aus gesehene Position der Sonne liegen einander an der Himmelskugel stets gegenĂŒber. Die Charakteristika von Erd- und (scheinbarer) Sonnenbahn sind dieselben, und beide Betrachtungsweisen können benutzt werden, sie dĂŒrfen aber nicht miteinander verwechselt werden. Zum FrĂŒhlingsbeginn beispielsweise steht definitionsgemĂ€ĂŸ die von der Erde aus gesehene Sonne im FrĂŒhlingspunkt, wĂ€hrend gleichzeitig die von der Sonne aus gesehene Erde im gegenĂŒberliegenden Herbstpunkt steht.

Die Lage der Ekliptikebene im Raum lĂ€sst sich mit Hilfe der Pole der Ekliptik besonders einfach beschreiben. Es handelt sich um jene Punkte, in denen eine auf der Ekliptikebene senkrecht stehende Gerade die Himmelskugel durchstĂ¶ĂŸt. Diese beiden einander auf der Himmelskugel gegenĂŒberliegenden Punkte sind von allen Punkten des Ekliptik-Großkreises jeweils 90° entfernt. Lage und Verlauf der Ekliptik sind also vollstĂ€ndig festgelegt, wenn einer ihrer Pole gegeben ist. Zum Zeitpunkt J2000.0 – dem 1. Januar 2000 12:00 TT – befanden sich die Pole der Ekliptik auf den Koordinaten

Nördlicher Ekliptikpol: RA: 18h 0m 0,0s (exakt), Dek: +66° 33â€Č 38,588″cite-ref-11[10] (ein Punkt im Sternbild Drache) SĂŒdlicher Ekliptikpol: RA: 6h 0m 0,0s (exakt), Dek: −66° 33â€Č 38,588″ (ein Punkt im Sternbild Schwertfisch)

Mit Hilfe der Pole lĂ€sst sich auch der Schnittwinkel von zwei einander schneidenden Ebenen leicht bestimmen – es ist einfach der Winkelabstand zwischen den zugehörigen Polen. FĂŒr den Nordpol der galaktischen Ebene beispielsweise gilt zum Zeitpunkt J2000.0:

Nördlicher galaktischer Pol: RA: 12h 51m 26,2755s, Dek: +27° 7' 41,704"cite-ref-astrphquant-s12-12-0[11] (ein Punkt im Sternbild Haar der Berenike)

Der Großkreisabstand zwischen dem nördlichen ekliptikalen und dem nördlichen galaktischen Pol betrĂ€gt 60,2°, um diesen Winkel ist also auch die Erdbahnebene gegen die galaktische Ebene geneigt.

Die Rotationsachse der Erde steht nicht senkrecht auf der Bahnebene, sondern ist leicht geneigt. Entsprechend liegt auch die Äquatorebene der Erde bzw. ihre Projektion auf die scheinbare Himmelskugel, der HimmelsĂ€quator, nicht in der Bahnebene. Der Winkel zwischen Ekliptikebene und Äquatorebene, die so genannte Schiefe der Ekliptik betrĂ€gt gegenwĂ€rtig etwa Δ = 23,44°. Die Schnittlinie zwischen den beiden Ebenen zeichnet sowohl auf der Ekliptik als auch auf dem Äquator eine gemeinsame Referenzlinie aus. In einer der beiden durch die Referenzlinie definierten Richtungen steht die Sonne im Augenblick des FrĂŒhlingsbeginns, wenn die (aus Sicht der Erde) auf der Ekliptik wandernde Sonne den HimmelsĂ€quator nach Norden ĂŒberschreitet und dabei durch den Schnittpunkt von Ekliptik und Äquator lĂ€uft. Die Richtung zu diesem „FrĂŒhlingspunkt“ wird als Nullpunkt fĂŒr astronomische Koordinatensysteme verwendet. GegenwĂ€rtig zeigt diese Richtung auf einen Punkt im Sternbild Fische.

Die Rektaszension wird vom FrĂŒhlingspunkt ausgehend rechtlĂ€ufig entlang des HimmelsĂ€quators gezĂ€hlt, die Deklination senkrecht dazu. Die ekliptikale LĂ€nge wird vom FrĂŒhlingspunkt ausgehend rechtlĂ€ufig entlang der Ekliptik gezĂ€hlt, die ekliptikale Breite senkrecht dazu. WĂ€hrend eines gut 365 Tage dauernden Bahnumlaufs Ă€ndert sich die ekliptikale LĂ€nge der Erde um 360 Grad, sie legt also im Mittel ein knappes Grad pro Tag zurĂŒck.

Lage der Apsiden

Die Apsidenlinie – also die Verbindungslinie zwischen Perihel und Aphel – beschreibt die Ausrichtung der Erdbahnellipse innerhalb der Bahnebene. Das Perihel hatte zum Zeitpunkt J2000.0 die ekliptikale LĂ€nge 102.9° und zeigt daher gegenwĂ€rtig auf einen Punkt im Sternbild Zwillinge.cite-ref-13[Anm. 2] Der Erde-Mond-Schwerpunkt durchlĂ€uft das Perihel gegenwĂ€rtig am 3. oder 4. Januar, das Aphel am 4. oder 5. Juli.

Der Erdmittelpunkt hingegen lĂ€uft entlang der mondbedingten Wellenlinie, welche wegen der von der gleichmĂ€ĂŸigen Ellipse leicht abweichenden welligen Bahnform ihr eigenes Perihel hat. Dieses Erdmittelpunkts-Perihel liegt von Jahr zu Jahr – je nach der aktuellen Mondstellung – an einer etwas anderen Stelle der Bahn. Der Erdmittelpunkt passiert daher sein eigenes Perihel in deutlich unregelmĂ€ĂŸigeren AbstĂ€nden, in der Regel zwischen dem 2. und 5. Januar. Details hierzu werden im Artikel →Apsis (Astronomie) erlĂ€utert.

Bahnstörungen

Die GravitationseinflĂŒsse der anderen Planeten ĂŒben Störungen auf die Erdbahn aus, welche deren Form und Lage geringfĂŒgig aber kontinuierlich Ă€ndern.

Numerische ExzentrizitÀt

Die numerische ExzentrizitĂ€t der Erdbahn betrĂ€gt gegenwĂ€rtig etwa 0,0167 und nimmt langsam ab. FĂŒr den Zeitraum zwischen etwa 4000 v. Chr. und 8000 n. Chr. wird der zeitliche Verlauf der ExzentrizitĂ€t in guter NĂ€herung beschrieben durch das Polynomcite-ref-14[1.1]cite-ref-meeusmoremorselskap33-15-0[12]

Δ Δ = 0,016 708 6342 − − 0,000 420 3654 ⋅ ⋅ t − − 0,000 012 6734 ⋅ ⋅ t 2 + 0,000 000 1444 ⋅ ⋅ t 3 − − 0,000 000 0002 ⋅ ⋅ t 4 + 0,000 000 0003 ⋅ ⋅ t 5 {\displaystyle {\begin{alignedat}{4}\varepsilon \,=&&\,0{,}016\,708\,6342&&\,-&\,0{,}000\,420\,3654&&\cdot t\\&\,-&\,0{,}000\,012\,6734&\cdot t^{2}&\,+&\,0{,}000\,000\,1444&&\cdot t^{3}\\&\,-&\,0{,}000\,000\,0002&\cdot t^{4}&\,+&\,0{,}000\,000\,0003&&\cdot t^{5}\\\end{alignedat}}}

Dabei ist t {\displaystyle t} die in Julianischen Jahrtausenden ab der Standardepoche J2000 gemessene TDB. FĂŒr die Julianische Tageszahl J D {\displaystyle JD} ist also

t = J D − − 2451545 , 0 365250 {\displaystyle t={\frac {JD-2451545{,}0}{365250}}} .

FĂŒr Werte weit außerhalb des Bereichs − − 6 < t < 6 {\displaystyle -6<t<6} liefert das Polynom keine sinnvollen Werte.

Über grĂ¶ĂŸere ZeitrĂ€ume betrachtet (siehe nebenstehendes Diagramm) kann die num. ExzentrizitĂ€t Werte zwischen knapp 0,06 und beinahe Null annehmen. Das nĂ€chste Minimum erreicht sie mit 0,0023 etwa im Jahr 29500, ein noch tieferes Minimum mit 0,0006 etwa im Jahr 465000. Die Erdbahn wird dann vorĂŒbergehend praktisch kreisförmig sein.cite-ref-meeusmoremorselskap33-15-1[12]

Von der ExzentrizitĂ€t der Erdbahn hĂ€ngt es ab, wie viel Sonnenstrahlung die Erde im Mittel wĂ€hrend eines Jahres empfĂ€ngt. Wenn die Erde im Abstand a (große Halbachse) von der Sonne die BestrahlungsstĂ€rke Sa auf eine senkrecht zur Sonne gerichtete FlĂ€che empfĂ€ngt, so erhĂ€lt sie im Abstand r auf ihrer QuerschnittsflĂ€che A die Einstrahl-Leistung

W = S a ( a r ) 2 ⋅ ⋅ A {\displaystyle W\,=\,S_{a}\left({\frac {a}{r}}\right)^{2}\cdot A}

Der wĂ€hrend eines Jahres der LĂ€nge T empfangene Jahres-Energieeintrag ergibt sich durch Integration ĂŒber die Zeit:cite-ref-berger-loutre-1994-16-0[13]

W T = ∫ ∫ 0 T W d t = S a A ∫ ∫ 0 T ( a r ) 2 d t = S a A T 1 − − Δ Δ 2 {\displaystyle W_{T}\,=\,\int _{0}^{T}Wdt\,=\,S_{a}A\int _{0}^{T}\left({\frac {a}{r}}\right)^{2}dt\,=\,{\frac {S_{a}AT}{\sqrt {1-\varepsilon ^{2}}}}}

Der Jahres-Energieeintrag hĂ€ngt also neben Sa auch von der numerischen ExzentrizitĂ€t Δ Δ {\displaystyle \varepsilon } ab: Er nimmt (bei gleich bleibendem Sa) zu, wenn die ExzentrizitĂ€t zunimmt. Wegen ihrer geringeren Geschwindigkeit in AphelnĂ€he hĂ€lt sich die Erde wĂ€hrend ihres Bahndurchlaufs ĂŒberdurchschnittlich lange in der sonnenfernen HĂ€lfte der Umlaufbahn auf. Bei Zunahme der ExzentrizitĂ€t entfernt sich dieser Teil der Umlaufbahn noch weiter von der Sonne. Dieser mit der ExzentrizitĂ€t zunehmende Einstrahlungsverlust wird jedoch durch die quadratisch ansteigende BestrahlungsstĂ€rke im zunehmend sonnennĂ€heren Perihel mehr als ausgeglichen. Die durch die VerĂ€nderlichkeit der ExzentrizitĂ€t verursachte langfristige Variation im Jahres-Energieeintrag betrĂ€gt nur Bruchteile eines Prozents, kann aber dennoch klimatologisch relevant sein.cite-ref-berger-loutre-1994-16-1[13]

Die Hauptperiode der Schwankungen der ExzentrizitĂ€t betrĂ€gt etwa 100.000 Jahre (siehe auch →Milanković-Zyklen).

Die ĂŒber das Jahr gemittelte auf der Erde eintreffende BestrahlungsstĂ€rke S0 ist die Solarkonstante. Es istcite-ref-berger-loutre-1994-16-2[13]

S 0 := W T A ⋅ ⋅ T = S a 1 − − Δ Δ 2 {\displaystyle S_{0}\,:=\,{\frac {W_{T}}{A\cdot T}}\,=\,{\frac {S_{a}}{\sqrt {1-\varepsilon ^{2}}}}}

Die Solarkonstante ist also streng genommen nicht identisch mit der BestrahlungsstĂ€rke Sa in der „mittleren Entfernung“ a. Die Abweichung betrĂ€gt jedoch nur etwa 0,1 Prozent.

Periheldrehung (Apsidendrehung)

Die Achse der Ellipse (Apsidenlinie) dreht sich langsam in der Bahnebene, und zwar in derselben Richtung, in der die Erde die Bahn durchlĂ€uft (rechtlĂ€ufig). Infolge dieser so genannten Periheldrehung wandert das Perihel in etwa 110.000 Jahren einmal bezĂŒglich des Fixsternhintergrunds rund um die Sonne. FĂŒr den Zeitraum zwischen etwa 4000 v. Chr. und 8000 n. Chr. wird die mittlere ekliptikale LĂ€nge des Perihels in guter NĂ€herung beschrieben durch das Polynomcite-ref-simonetal-1-5[1]cite-ref-sekgrad-17-0[Anm. 3]cite-ref-varpi-18-0[Anm. 4]

ϖ ϖ = 102,937 348 08 ∘ ∘ + 3,225 653 583 ∘ ∘ ⋅ ⋅ t + 0,014 798 825 ∘ ∘ ⋅ ⋅ t 2 + 0,000 039 153 ∘ ∘ ⋅ ⋅ t 3 − − 0,000 031 778 ∘ ∘ ⋅ ⋅ t 4 + 0,000 001 328 ∘ ∘ ⋅ ⋅ t 5 {\displaystyle {\begin{alignedat}{4}\varpi \,=&&\,102{,}937\,348\,08^{\circ }&&\,+&\,3{,}225\,653\,583^{\circ }&&\cdot t\\&\,+&\,0{,}014\,798\,825^{\circ }&\cdot t^{2}&\,+&\,0{,}000\,039\,153^{\circ }&&\cdot t^{3}\\&\,-&\,0{,}000\,031\,778^{\circ }&\cdot t^{4}&\,+&\,0{,}000\,001\,328^{\circ }&&\cdot t^{5}\\\end{alignedat}}}

wobei t {\displaystyle t} dieselbe Bedeutung hat wie in der Formel fĂŒr die ExzentrizitĂ€t. Der resultierende Winkel bezieht sich auf die mittlere Ekliptik und den (fixen) mittleren FrĂŒhlingspunkt zur Epoche J2000.0. Bezieht man die mittlere LĂ€nge des Perihels stattdessen auf den jeweils aktuellen mittleren FrĂŒhlingspunkt, der ihm rĂŒcklĂ€ufig entgegen wandert (siehe Abschnitt →Jahreszeiten), so Ă€ndert sie sich entsprechend schneller:cite-ref-simonetal-1-6[1]cite-ref-sekgrad-17-1[Anm. 3]

ϖ ϖ â€Č = 102,937 348 08 ∘ ∘ + 17,194 598 028 ∘ ∘ ⋅ ⋅ t + 0,045 688 325 ∘ ∘ ⋅ ⋅ t 2 − − 0,000 017 680 ∘ ∘ ⋅ ⋅ t 3 − − 0,000 033 583 ∘ ∘ ⋅ ⋅ t 4 + 0,000 000 828 ∘ ∘ ⋅ ⋅ t 5 + 0,000 000 056 ∘ ∘ ⋅ ⋅ t 6 {\displaystyle {\begin{alignedat}{4}\varpi '\,=&&\,102{,}937\,348\,08^{\circ }&&\,+&\,17{,}194\,598\,028^{\circ }&&\cdot t\\&\,+&\,0{,}045\,688\,325^{\circ }&\cdot t^{2}&\,-&\,0{,}000\,017\,680^{\circ }&&\cdot t^{3}\\&\,-&\,0{,}000\,033\,583^{\circ }&\cdot t^{4}&\,+&\,0{,}000\,000\,828^{\circ }&&\cdot t^{5}\\&\,+&\,0{,}000\,000\,056^{\circ }&\cdot t^{6}&&&&\\\end{alignedat}}}

BezĂŒglich dieses „FrĂŒhlingspunktes des Datums“ vollzieht das Perihel eine Bahnumrundung in etwa 21.000 Jahren. Da der Kalender an die Stellung der Sonne bezĂŒglich des FrĂŒhlingspunktes gekoppelt ist, lĂ€uft der Zeitpunkt des Periheldurchgangs mit dieser Periode auch durch den Kalender: Um das Jahr 1600 fiel der Periheldurchgang zwischen den 26. und 28. Dezember; um das Jahr 2500 herum wird er auf den 10. bis 13. Januar fallen.cite-ref-meeusmorselskap27-19-0[14]cite-ref-20[15]

Von der gegenseitigen Stellung von Perihel und FrĂŒhlingspunkt hĂ€ngt es ab, wie die wĂ€hrend des Jahres zur VerfĂŒgung stehende gesamte Sonneneinstrahlung sich auf die Jahreszeiten verteilt. Wenn eine Jahreszeit mit dem Periheldurchgang zusammenfĂ€llt (gegenwĂ€rtig der Nordhalbkugel-Winter), so erhĂ€lt sie abstandsbedingt etwas mehr Einstrahlung von der Sonne als wenn sie 10500 Jahre spĂ€ter mit dem Apheldurchgang zusammenfĂ€llt. Sie ist gleichzeitig wegen der grĂ¶ĂŸeren Bahngeschwindigkeit der Erde auch die jeweils kĂŒrzeste Jahreszeit (vergleiche hierzu die ErlĂ€uterungen im Artikel →Jahreszeit).

Die auf den FrĂŒhlingspunkt des Datums bezogene PrĂ€zession des Perihels beeinflusst also die AusprĂ€gung der einzelnen Jahreszeiten. Sie wird deshalb auch als „klimatische PrĂ€zession“cite-ref-bauer-2005-21-0[16] bezeichnet.

Neigung und Knotenlinie

Ekliptik als Referenz

Die Erdbahnebene Ă€ndert aufgrund der Störungen langsam ihre Lage im Raum. Üblicherweise wird diese Ebene selbst als Referenz fĂŒr Bahnneigungen im Sonnensystem verwendet, die aktuelle Neigung der Erdbahnebene, bezogen auf die aktuelle Erdbahnebene (also auf sich selbst), wĂ€re damit aber stets Null. Die Neigung kann stattdessen sinnvoll bezĂŒglich einer fixen Erdbahn, nĂ€mlich der Erdbahn zu einem bestimmten geeignet gewĂ€hlten Zeitpunkt, angegeben werden.

So schneidet die aktuelle Erdbahn jene Erdbahn, wie sie zum Zeitpunkt J2000.0 lag, entlang einer Schnittgeraden (der „Knotenlinie“), welche in Richtung der ekliptikalen LĂ€nge 174,8° gerichtet ist. Sie rotiert langsam um diese Schnittgerade mit einer Rate von 47 Bogensekunden pro Jahrhundert, wĂ€hrend die Schnittgerade selbst mit einer Geschwindigkeit von −0,241 Grad pro Jahrhundert entlang der fixen Erdbahnebene wandert.cite-ref-meeusastralgkap31-22-0[17]

Das nebenstehende Diagramm zeigt die zeitlich verĂ€nderliche Neigung der Erdbahn bezĂŒglich der Erdbahn des Jahres 1850. Diese Neigung erreichte ihr letztes Maximum von 4° 00' um das Jahr 38300 v. Chr. und wird ihr nĂ€chstes Maximum von 2° 23' um das Jahr 34100 n. Chr. erreichen.cite-ref-meeusmoremorselskap33-15-2[12]

Im Jahre 1850 fiel die wandernde Erdbahn mit der Erdbahn von 1850 zusammen (definitionsgemĂ€ĂŸ), so dass die Neigung kurzzeitig den Wert Null annahm. Ein Ă€hnliches Zusammenfallen der wandernden Ebene mit der 1850er Referenzebene war etwa um das Jahr 628000 v. Chr. zu beobachten.cite-ref-meeusastralgkap31-22-1[17]

Invariable Ebene als Referenz

Eine andere mögliche Referenzebene ist die „invariable Ebene“ des Sonnensystems, also jene Ebene, welche senkrecht auf dem Gesamtdrehimpuls-Vektor des Sonnensystems steht. Der Drehimpuls ist eine ErhaltungsgrĂ¶ĂŸe, der Gesamtdrehimpuls des Sonnensystems kann also nur durch Einwirkung eines Drehmomentes von außen geĂ€ndert werden. Das Gravitationsfeld der Galaxis ĂŒbt auf das Sonnensystem nur ein vernachlĂ€ssigbares Drehmoment aus,cite-ref-woerkom-23-0[18] daher kann die Ausrichtung des Gesamtdrehimpuls-Vektors und damit die Ausrichtung der auf ihm senkrecht stehenden Ebene praktisch als konstant angesehen werden. FĂŒr die Ausrichtung der invariablen Ebene der Erde gilt:

Nördlicher Pol der invariablen Ebene: RA(J2000,0) = 273,8527°, Dek.(J2000,0) = 66,9911° (ein Punkt im Sternbild Drache).cite-ref-astronomicalalmanac-2012-se2-24-0[19]

Der Pol der Ekliptik prÀzediert unter dem Einfluss der Störungen um den Pol der invariablen Ebene. Im Zeitraum von 500000 Jahren vor bis 500000 Jahren nach dem Jahr 2000 umkreist der Ekliptik-Pol den invariablen Pol vierzehnmal, wobei der Abstand der beiden Pole (d. h. die Neigung der beiden Ebenen zueinander) zwischen fast Null und knapp 3 Grad schwankt.cite-ref-owen-25-0[20] Zum Zeitpunkt J2000.0 waren Ekliptik und invariable Ebene um 1,5787° gegeneinander geneigt, die ekliptikale LÀnge des aufsteigenden Knotens der invariablen Ebene auf der Ekliptik betrug 107,5822°.cite-ref-souamisouchay-s11-26-0[21]

PrÀzession

Die durch die zeitliche VerĂ€nderlichkeit von Neigung und Knotenlinie beschriebene Bewegung der Ekliptikebene wird als „planetare PrĂ€zession“,cite-ref-explsuppl-s99-27-0[22] neuerdings auch als „PrĂ€zession der Ekliptik“cite-ref-explsuppl2013-s212-28-0[23] bezeichnet. WĂ€re der HimmelsĂ€quator unbeweglich, so wĂŒrde die PrĂ€zession der Ekliptik alleine zu einer Wanderung des FrĂŒhlingspunktes von etwa 12″ pro Jahrhundert und einer Abnahme der Ekliptikschiefe von etwa 47″ pro Jahrhundert fĂŒhren.cite-ref-explsuppl-s99-27-1[22] Aufgrund der Einwirkung von Sonne und Mond auf den Erdkörper bewegt sich der Äquator jedoch ebenfalls („lunisolare PrĂ€zession“,cite-ref-explsuppl-s99-27-2[22] neuerdings auch als „PrĂ€zession des Äquators“cite-ref-explsuppl2013-s212-28-1[23] bezeichnet). Die daraus folgende Bewegung des FrĂŒhlingspunktes als Schnittpunkt von Ekliptik und Äquator ist die „allgemeine PrĂ€zession“. Sie betrĂ€gt gut 5000″ pro Jahrhundert, was also grĂ¶ĂŸtenteils auf die Bewegung des Äquators zurĂŒckzufĂŒhren ist.

Störungen in LÀnge

Die Gravitationswirkung der anderen Planeten fĂŒhrt nicht nur zu Änderungen in Form und Lage der Erdbahn, sie kann auch die Position des Erde-Mond-Systems auf der Bahn beeinflussen, indem sie dessen Bewegung geringfĂŒgig beschleunigt oder verzögert.

Die durch die Venus bewirkte Änderung der ekliptikalen LĂ€nge des Erde-Mond-Systems gegenĂŒber dem ungestörten Mittelwert bleibt allerdings stets kleiner als 12 Bogensekunden (″), diejenige durch Mars kleiner als 5″, die durch Jupiter unter 13″ und die durch Saturn unter 1″. Der Einfluss der ĂŒbrigen Planeten ist noch geringer. Die Störung in ekliptikaler LĂ€nge bleibt also insgesamt stets kleiner als etwa 31″. Diese Strecke legt das Erde-Mond-System mit seiner Geschwindigkeit von etwa einem Grad pro Tag in einer knappen Viertelstunde zurĂŒck.cite-ref-meeusmoremorselskap27-29-0[24] Um diesen Zeitbetrag kann also der Zeitpunkt, in dem das Erde-Mond-System einen bestimmten Bahnpunkt (z. B. den FrĂŒhlingspunkt) durchlĂ€uft, aufgrund der Störungen vom mittleren, ungestörten Zeitpunkt abweichen.

Der Umstand, dass es eigentlich der Schwerpunkt des Erde-Mond-Systems ist, welcher der Keplerbahn folgt, wĂ€hrend die Erde ihrerseits diesen Schwerpunkt umkreist, kann als eine durch die Anwesenheit des Mondes verursachte Bahnstörung der Erde aufgefasst werden. Der Abstand zwischen dem Erdmittelpunkt und dem Erde-Mond-Schwerpunkt betrĂ€gt (bei grĂ¶ĂŸtmöglichem Abstand zwischen Erde und Mond) etwa 4942 km.cite-ref-meeusmoremorselskap27-29-1[24] Um diesen Abstand kann der Erdmittelpunkt dem gleichmĂ€ĂŸig wandernden Schwerpunkt maximal voraus- oder hinterherlaufen. Bei einer Bahngeschwindigkeit von etwa 30 km/s werden knapp drei Minuten benötigt, um jene Distanz zurĂŒckzulegen. Um diesen Zeitbetrag können also die Zeitpunkte, in denen der Erdmittelpunkt bzw. der Erde-Mond-Schwerpunkt einen bestimmten Bahnpunkt (z. B. den FrĂŒhlingspunkt) durchlaufen, voneinander abweichen.

Die Zeitpunkte, in denen der Erdmittelpunkt das Perihel oder Aphel durchlĂ€uft, können hingegen wie bereits erwĂ€hnt um mehrere Tage vom Mittelwert abweichen. HierfĂŒr verantwortlich ist nicht eine Störung in ekliptikaler LĂ€nge, sondern die Wellenbewegung des Erdmittelpunkts um den Erde-Mond-Schwerpunkt. Sie kann je nach der in ApsidennĂ€he herrschenden Mondphase den Erdmittelpunkt an deutlich unterschiedlichen Bahnpunkten in die jeweils maximale SonnennĂ€he oder -ferne tragen. FĂŒr Einzelheiten siehe den Artikel → Apsis

Große Halbachse

Die große Halbachse der Erdbahn weist im Gegensatz zu den anderen Bahnelementen nur geringe Schwankungen und keine lĂ€ngerfristige Drift auf. Eine langfristige Berechnung der Planetenbahnen ĂŒber je 250 Millionen Jahre in die Vergangenheit und in die Zukunft zeigt nur Schwankungen der großen Halbachse zwischen etwa 0,99997 und 1,00003 Astronomischen Einheiten, bei konstant bleibendem Mittelwert.cite-ref-laskar2004-s268ff-30-0[25]

Umlaufdauer

Die Umlaufdauer (oder Revolutionsperiode) der Erde um die Sonne wird als ein Jahr bezeichnet. FĂŒr einen Umlauf benötigt die Erde etwa 365ÂŒ Tage, wie sich aus dem dritten Keplerschen Gesetz fĂŒr eine ungestörte Ellipsenbahn unter Zuhilfenahme des Gravitationsgesetzes ergibt (zur Bedeutung der Formelzeichen siehe den Artikel →Keplersche Gesetze):

T = a 3 4 π π 2 G ( M + m ) ≈ ≈ ( 1,496 ⋅ ⋅ 10 11 m ) 3 ⋅ ⋅ 4 ⋅ ⋅ π π 2 6 , 67 ⋅ ⋅ 10 − − 11 m 3 k g s 2 ⋅ ⋅ 1 , 99 ⋅ ⋅ 10 30 k g ≈ ≈ 3,156 ⋅ ⋅ 10 7 s ≈ ≈ 365 , 2 T a g e {\displaystyle T={\sqrt {\frac {a^{3}4\pi ^{2}}{G(M+m)}}}\approx {\sqrt {\frac {(1{,}496\cdot 10^{11}~{\rm {m}})^{3}\cdot 4\cdot \pi ^{2}}{6{,}67\cdot 10^{-11}\mathrm {\frac {m^{3}}{kg\,s^{2}}} \cdot 1{,}99\cdot 10^{30}~{\rm {kg}}}}}\approx 3{,}156\cdot 10^{7}~{\rm {s}}\approx 365{,}2~{\rm {Tage}}}

Da jedoch der FrĂŒhlingspunkt wegen der PrĂ€zession der Erdachse beweglich ist und die Erdbahn selbst ebenfalls Störungen unterliegt, kann die Bewegung der Erde unter Bezug auf verschiedene zueinander bewegte Bezugspunkte betrachtet werden. Je nachdem, welcher Bezugspunkt gewĂ€hlt wird, ergeben sich unterschiedliche Zahlenwerte fĂŒr die LĂ€nge des Jahres.

‱ Nach einem siderischen Jahr nimmt die Erde wieder dieselbe Stellung bezĂŒglich eines (unendlich weit entfernt und ohne Eigenbewegung gedachten) Fixsterns ein. Die LĂ€nge des siderischen Jahres betrĂ€gt etwa 365,256 Tage. Meteorströme beispielsweise schneiden die Erdbahn immer an derselben Stelle, sofern sie nicht gestört werden. Der zugehörige Sternschnuppenschauer wiederholt sich daher mit der Periode eines siderischen Jahres. Der Unterschied zwischen dem siderischen Jahr und dem tropischen Jahr, nach dem sich der Kalender richtet, betrĂ€gt 0,01417 Tage, so dass der Durchgang der Erde durch den betreffenden Bahnpunkt alle 70,6 Jahre um einen Tag spĂ€ter im Kalender liegt. Die Perseiden sind ein Beispiel fĂŒr einen wenig gestörten Schauer. Sie treten gegenwĂ€rtig um den 12. August herum auf, wurden aber Mitte des 19. Jahrhunderts um den 10. August, zur ersten Jahrtausendwende am Ende des Juli und zu Beginn unserer Zeitrechnung etwa Mitte Juli beobachtet.cite-ref-hughesemerson-31-0[26]cite-ref-32[Anm. 5]
‱ Nach einem tropischen Jahr nimmt die Erde wieder dieselbe Stellung bezĂŒglich des FrĂŒhlingspunkts ein. Da der FrĂŒhlingspunkt der Erde entgegenlĂ€uft (siehe Abschnitt →Jahreszeiten), ist das tropische Jahr etwas kĂŒrzer als das siderische und hat eine Dauer von etwa 365,242 Tagen. Mit der Periode des tropischen Jahres wiederholen sich die Jahreszeiten. Solar- und Lunisolarkalender versuchen daher mittels geeigneter Schaltregeln, die LĂ€nge ihrer Kalenderjahre im Mittel an das tropische Jahr anzupassen. FĂŒr eine Reihe genauerer aber etwas unterschiedlicher Definitionen des tropischen Jahres und die damit verbundenen verschiedenen Zahlenwerte siehe tropisches Jahr.
‱ Nach einem anomalistischen Jahr nimmt die Erde wieder dieselbe Stellung bezĂŒglich ihres Perihels ein. Da sich das Perihel rechtlĂ€ufig entlang der Bahn bewegt, ist das anomalistische Jahr etwas lĂ€nger als das siderische Jahr und hat eine Dauer von etwa 365,260 Tagen.
‱ Nach einem Finsternisjahr liegen Sonne, Mond und die beiden Knoten der Mondbahn wieder in einer Linie. Damit ist eine der Bedingungen fĂŒr eine Sonnen- oder Mondfinsternis gegeben. Eine Finsternis ergibt sich, wenn in hinreichender zeitlicher NĂ€he zu dieser Konfiguration als zweite Bedingung ein Neu- oder Vollmond eintritt. Da die erforderliche „NĂ€he“ einen Zeitraum von gut einem Monat umfasst und sich in diesem Zeitraum zwei bis drei Neu- und Vollmonde ereignen, treten stets mehrere Finsternisse kurz hintereinander als Gruppe (M-S, S-M, M-S-M oder S-M-S)cite-ref-imcce2-33-0[27] auf. Ein halbes Finsternisjahr spĂ€ter folgt (am anderen Mondknoten) die nĂ€chste Finsternisgruppe. Da die Mondknoten wegen der PrĂ€zession der Mondbahn wĂ€hrend eines Jahres um etwa 19° rĂŒcklĂ€ufig wandern, kommen sie dem Erdumlauf entgegen, so dass bereits nach (im Mittel) 346,620 Tagen erneut Finsternisse am selben Knoten stattfinden können. Im Jahre 2015 beispielsweise liegt die erste so genannte „Finsternis-Saison“ im MĂ€rz/April (S-M) und die zweite im September (S-M). Bis zum Jahre 2018 haben sich die Finsternis-Saisons bereits auf Januar/Februar (M-S) bzw. Juli/August (S-M-S) vorverschoben.

Die mittlere LĂ€nge der genannten Jahre betrĂ€gt (fĂŒr die Epoche 2012,0):cite-ref-astronomicalalmanac-2012-sc2-34-0[28]

Siderisches Jahr: RĂŒckkehr zum selben Stern, 365d 6h 9m 9,8s oder 365,256 363 Tage Tropisches Jahr: RĂŒckkehr zum FrĂŒhlingspunkt, 365d 5h 48m 45,2s oder 365,242 190 Tage Anomalistisches Jahr: RĂŒckkehr zum Perihel, 365d 6h 13m 52,6s oder 365,259 636 Tage Finsternisjahr: RĂŒckkehr zum selben Mondknoten 346d 14h 52m 54,9s oder 346,620 080 Tage

Individuelle Jahre können aufgrund von Störungen von diesen Mittelwerten abweichen. DarĂŒber hinaus unterliegen die mittleren JahreslĂ€ngen aufgrund langfristiger VerĂ€nderungen der Erdbahn einer langsamen Drift.

Jahreszeiten

Zu FrĂŒhlingsbeginn befindet sich die Erde definitionsgemĂ€ĂŸ auf der ekliptikalen LĂ€nge 180°. Von der Erde aus gesehen befindet sich die Sonne dann auf 0° (dem FrĂŒhlingspunkt), wĂ€hrend die um Mitternacht sichtbaren Sternbilder in der gegenĂŒberliegenden Richtung bei 180° liegen. Dies sind gegenwĂ€rtig insbesondere die Sternbilder in der Umgebung von Löwe und Jungfrau – typische FrĂŒhlingssternbilder. Im Sommer sind um Mitternacht die um die ekliptikale LĂ€nge 270° herum liegenden Sternbilder sichtbar, insbesondere also die Sommersternbilder um den SchĂŒtzen herum. Die Mitternacht im Herbst prĂ€sentiert als Herbststernbilder unter anderem die bei einer LĂ€nge von 0° gelegenen Fische. Um Mitternacht im Winter steht die ekliptikale LĂ€nge 90° am Himmel und mit ihr die Zwillinge und andere Wintersternbilder. (Hinreichend nahe am Himmelspol gelegene Sternbilder wie z. B. der Große BĂ€r sind zirkumpolar und daher in allen Jahreszeiten sichtbar.)

Da aufgrund des Gravitationseinflusses von Mond, Sonne und Planeten weder die Äquator- noch die Ekliptikebene fix im Raum stehen, sind die Schiefe der Ekliptik als Schnittwinkel beider Ebenen und insbesondere die Lage des FrĂŒhlingspunkts auf der Schnittlinie beider Ebenen zeitlich verĂ€nderlich. Die Schiefe der Ekliptik schwankt mit einer Periode von etwa 40.000 Jahren und mit einer Amplitude von etwa 1° um einen Mittelwert von etwa 23°. Der FrĂŒhlingspunkt prĂ€zediert in knapp 26.000 Jahren einmal bezĂŒglich des Fixsternhintergrunds rund um die Erdbahn, und zwar in der dem Erdumlauf entgegengesetzten Richtung (rĂŒcklĂ€ufig).

Aus der Drift des FrĂŒhlingspunktes entlang der Erdbahn folgt, dass kĂŒnftig die Jahreszeiten mit anderen Abschnitten der Erdbahn zusammenfallen werden. Nach einem Viertel der PrĂ€zessionsperiode, also in etwa 6500 Jahren, wird der Sommer auf den Bahnabschnitt fallen, in dem jetzt FrĂŒhling herrscht, und entsprechend werden die von diesem Bahnabschnitt aus sichtbaren jetzigen „FrĂŒhlings“sternbilder zu „Sommer“sternbildern geworden sein.

Die erwĂ€hnten VerĂ€nderungen von ExzentrizitĂ€t, Ekliptikschiefe und Lage des FrĂŒhlingspunkts fĂŒhren in ihrem Zusammenwirken periodenweise zu stĂ€rkeren oder schwĂ€cheren AusprĂ€gungen der Jahreszeiten und sind daher vermutlich eine der Ursachen fĂŒr den Wechsel von Warm- und Eiszeiten (siehe auch: →Milanković-Zyklen). Dabei ist nicht die Lage des FrĂŒhlingspunkts bezĂŒglich des Fixsternhintergrunds von Bedeutung, sondern seine Lage bezĂŒglich des Perihels (zur BegrĂŒndung siehe den Artikel →Jahreszeiten). Da das Perihel rechtlĂ€ufig um die Erdbahn wandert (siehe Abschnitt →Periheldrehung), trifft der rĂŒcklĂ€ufige FrĂŒhlingspunkt bereits wieder mit ihm zusammen, bevor er einen vollen Umlauf bezĂŒglich der Fixsterne vollendet hat. Die gegenseitigen Stellungen von FrĂŒhlingspunkt und Perihel wiederholen sich daher mit der bereits erwĂ€hnten „klimatischen“ Periode von nur etwa 21.000 Jahren.

LangzeitstabilitÀt

„Chaos“

Berechnet man die Bewegung der Planeten unter dem Gravitationseinfluss der Sonne und der jeweils anderen Planeten ĂŒber lange ZeitrĂ€ume, so stellt man fest, dass das Ă€ußere Sonnensystem im Wesentlichen stabil, das innere Sonnensystem (Merkur, Venus, Erde, Mars) jedoch schwach chaotisch (im mathematischen Sinne) ist.cite-ref-laskar2013-s19-35-0[29] Das bedeutet nicht, dass die Planeten irgendwann beginnen, regellos (also im umgangssprachlichen Sinne „chaotisch“) durcheinanderzulaufen. Es bedeutet lediglich, dass kleine Unsicherheiten in den Startbedingungen einer Langzeitrechnung sich aufgrund der komplexen gravitativen Wechselwirkungen zwischen den Planeten aufschaukeln und schließlich der Vorhersagbarkeit Grenzen setzen. Beispielsweise fĂŒhrt eine Unsicherheit von 15 Metern in der Startposition der Erde nach 10 Millionen Jahren zu einer Unsicherheit von etwa 150 Metern, nach 20 Millionen Jahren zu einer Unsicherheit von 1500 Metern und nach 100 Millionen Jahren zu einer Unsicherheit von etwa 150 Millionen Kilometern.cite-ref-laskar2013-s19-35-1[29]

Es ist daher durchaus möglich, eine prĂ€zise Ephemeride der Erde ĂŒber einige zehn Millionen Jahre hinweg zu berechnen. Über lĂ€ngere ZeitrĂ€ume jedoch werden die berechneten Positionen zunehmend unsicher, und nach spĂ€testens hundert Millionen Jahren erreicht die Unsicherheit die Abmessungen der Erdbahn selbst – es ist dann nicht mehr möglich vorherzusagen, an welchem Punkt ihrer Bahn sich die Erde befindet. Auch dies bedeutet nicht, dass die Erde sich dann regellos irgendwo im inneren Sonnensystem befinden wird. Sie wird sich nach wie vor auf ihrer gewohnten Bahn befinden, und die Bahn selbst wird sich nur geringfĂŒgig im Rahmen der oben erwĂ€hnten Störungen von der heutigen Bahn unterscheiden. Lediglich der Ort der Erde auf dieser Bahn ist von heute aus nicht mehr vorhersagbar.

StabilitÀt

Die StabilitĂ€t des Sonnensystems wĂ€re beeintrĂ€chtigt, wenn die beschriebenen FormĂ€nderungen der Planetenbahnen – insbesondere eine eventuelle starke Zunahme der ExzentrizitĂ€ten – langfristig zu engen AnnĂ€herungen benachbarter Bahnen fĂŒhren könnten. Ein Planet könnte dann mit einem Nachbarplaneten kollidieren oder bei einer zu nahen Begegnung aus seiner Bahn oder gar aus dem Sonnensystem geschleudert werden.

Wie die oben erwĂ€hnten Langzeitrechnungen zeigen, können solche InstabilitĂ€ten fĂŒr die nĂ€chsten hundert Millionen Jahre ausgeschlossen werden. FĂŒr den Rest der erwarteten Lebensdauer des Sonnensystems von etwa 5 Milliarden Jahren mĂŒssen andere Untersuchungsmethoden verwendet werden. Ein einzelner Rechenlauf kann wegen der anwachsenden Unsicherheit jenseits von 100 Millionen Jahren zwar nicht als konkrete Vorhersage angesehen werden, er stellt jedoch eine mögliche Entwicklung dar. Die Analyse eines Ensembles von Bahnen (d. h. von zahlreichen RechenlĂ€ufen mit leicht unterschiedlichen Startbedingungen) ermöglicht statistische AbschĂ€tzungen von typischen oder zumindest möglichen Szenarien.

Die Rechnungen vereinfachen sich, wenn man die Planeten selbst unberĂŒcksichtigt lĂ€sst und Formeln fĂŒr die zeitliche Entwicklung der Bahnen aufstellt.cite-ref-laskar1996-s147ff-36-0[30] Die langsamen BahnĂ€nderungen erfordern einen geringeren Rechenaufwand als die rasch verĂ€nderlichen Positionen der Planeten in der Bahn, so dass ein ganzes Bahn-Ensemble leichter rechentechnisch bewĂ€ltigt werden kann. Entsprechende Untersuchungen zeigten, dass ĂŒber mehrere Milliarden Jahre hinweg die ExzentrizitĂ€t der Erdbahn ihren gegenwĂ€rtigen Maximalwert von ca. 0,06 nur geringfĂŒgig ĂŒberschreitet und die Bahn der Venus sich Ă€hnlich verhĂ€lt. Die ExzentrizitĂ€t des Mars schwankt stĂ€rker, eine allzu nahe Begegnung der Erde mit Mars oder Venus ist jedoch nicht zu erwarten. Merkur dagegen zeigt starke Schwankungen der ExzentrizitĂ€t, so dass nahe Begegnungen mit der Venus nicht grundsĂ€tzlich ausgeschlossen werden können.cite-ref-laskar1996-s147ff-36-1[30]

Mittlerweile ist es möglich geworden, auf Großrechnern die vollstĂ€ndigen Planetenbewegungen ĂŒber mehrere Milliarden Jahre hinweg zu berechnen. Eine Untersuchung mit insgesamt 2501 jeweils 5 Milliarden Jahre umspannenden RechenlĂ€ufen zeigte in der weit ĂŒberwiegenden Zahl der FĂ€lle dasselbe Bild wie im heutigen Sonnensystem: die Planetenbahnen verformen sich periodisch und prĂ€zedieren unter ihren gegenseitigen Wechselwirkungen, jedoch ohne die Gefahr von Nahbegegnungen. In einem Prozent der FĂ€lle stieg die ExzentrizitĂ€t des Merkur erheblich an, was dann oft zur Kollision mit der Venus oder der Sonne fĂŒhrte, ohne jedoch die Erdbahn merklich zu beeintrĂ€chtigen. Lediglich in einem der 2501 FĂ€lle verursachte nach mehreren Milliarden Jahren eine stark exzentrische Merkurbahn eine ebenfalls stark ansteigende ExzentrizitĂ€t der Marsbahn, welche dann – je nach Einzelheiten des betrachteten Szenarios – eine Kollision der Erde mit einem der Nachbarplaneten ermöglichte.cite-ref-laskar2013-s27-37-0[31] Die statistischen Details sind nicht unumstritten.cite-ref-zeebe-38-0[32]

Insgesamt kann das Sonnensystem als „marginal stabil“ betrachtet werden: Erhebliche InstabilitĂ€ten (wie z. B. eine Kollision) können nicht grundsĂ€tzlich ausgeschlossen werden, sind aber allenfalls ĂŒber ZeitrĂ€ume von mehreren Milliarden Jahren hinweg zu erwarten.cite-ref-laskar1996-s155-39-0[33] FĂŒr die Bahnen von Erde und Venus sind wegen der relativ großen Planetenmassen und ihrer gegenseitigen Kopplung nur geringe Abweichungen von ihrer heutigen Gestalt zu erwarten. Sie können wĂ€hrend der Lebensdauer des Sonnensystems als in sich stabil angesehen werden, sofern sie nicht durch grĂ¶ĂŸere InstabilitĂ€ten anderer Planetenbahnen in Mitleidenschaft gezogen werden.cite-ref-laskar1996-s155-39-1[33]

Sonnenbahn

Aus irdischer Sicht scheint die Sonne im Laufe eines Jahres die Sternbilder der Ekliptik zu durchwandern, nach denen auch die zwölf Tierkreiszeichen benannt sind. Diese Bewegung der Sonne um die Erde bezeichnet man als scheinbare geozentrische Bahn.

Zur scheinbaren topozentrischen Bahn der Sonne, dem von einem realen Beobachter auf der Erde wahrgenommenen Anblick am Himmel, siehe: Sonnenstand

In der himmelsmechanischen Darstellung ist der geozentrische Ortsvektor der Sonne dem heliozentrischen Ortsvektor der Erde genau entgegengesetzt, daher kann in Berechnungen derselbe Formelsatz verwendet werden. Dieser wird im Artikel →Sonnenstand ausfĂŒhrlich erlĂ€utert.

Bei astronomischen FĂŒhrungen macht es den Teilnehmern oft Probleme, sich die rĂ€umliche Lage der Ekliptik vorzustellen. Denn wegen der Ekliptikschiefe von etwa 23,5° verĂ€ndert sich z. B. ihr Schnitt mit dem östlichen Horizont – der Richtung des Sonnenaufgangs – je nach Jahreszeit von etwa Nordost bis SĂŒdost. Zur StĂŒtzung dieser Vorstellung wurden u. a. GerĂ€te wie die ArmillarsphĂ€re und die Ekliptikscheibe entwickelt.

Bahnelemente

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Hauptartikel

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Bahnelement

Die in der Infobox dieses Artikels tabellierten Bahnelemente entsprechen dem aktuellen Stand der Astronomie. Sie stellen jedoch aus PlatzgrĂŒnden nur die mittleren Werte dar und sind nur fĂŒr den Zeitpunkt J2000.0 gĂŒltig, so dass sie fĂŒr Berechnungen der Erdbahn von sehr eingeschrĂ€nktem Nutzen sind. Eine vollstĂ€ndige Darstellung des entsprechenden Datensatzes inklusive der Bahnstörungen und der zeitlichen AbhĂ€ngigkeiten ist wegen seines Umfangs hier nicht möglich. FĂŒr die meisten praktischen Anwendungen genĂŒgen jedoch stark vereinfachte Rechenverfahren.

Da sich die Erdbahn in guter NĂ€herung durch eine Kepler-Ellipse beschreiben lĂ€sst, können die Elemente einer solchen Ellipse nĂ€herungsweise fĂŒr die Berechnung der Position der Erde zu einem gegebenen Zeitpunkt benutzt werden. Die Abweichungen der Erdbahn von einer exakten Ellipse können dabei auf verschiedene Weise zum Teil berĂŒcksichtigt werden.

Mittlere Kepler-Elemente

Die folgenden Kepler-Elemente sind „mittlere“ Elemente, d. h. die periodischen Bahnstörungen sind nicht berĂŒcksichtigt. Diejenigen Anteile der Störungen sind jedoch berĂŒcksichtigt, die durch eine lineare zeitliche Variation der mittleren Elemente beschrieben werden können. Höhere Potenzen der zeitlichen Variation sind ebenfalls vernachlĂ€ssigt. Sobald die mittleren Elemente fĂŒr den gewĂŒnschten Zeitpunkt aus den folgenden Tabellen ermittelt wurden, können die ĂŒblichen Standardverfahren zur Berechnung der Planetenposition aus gegebenen Kepler-Elementen verwendet werden.

Der folgende Satz mittlerer Keplerelementecite-ref-montenbruck-s139-40-0[34] liefert die Position des Erde-Mond-Schwerpunktes in Bezug auf das Äquinoktium des Datums:

a = 1,000000 AE große Halbachse Δ = 0,016709 − 0,000042·T Numerische ExzentrizitĂ€t i = 0,0 ° Bahnneigung, bezogen auf die Ekliptik des Datums Ω nicht definiert LĂ€nge des aufsteigenden Knotens (Äquinoktium des Datums) ϖ = 102,9400 + 1,7192·T ° LĂ€nge des Perihels (Äquinoktium des Datums) M = 357,5256 + 35999,0498·T ° mittlere Anomalie L = 100,4656 + 36000,7690·T ° mittlere LĂ€nge (Äquinoktium des Datums), L = M + ϖ

Soll die Position bezĂŒglich des Äquinoktiums J2000.0 berechnet werden, so sind die davon abhĂ€ngigen Elemente wie folgt zu ersetzen:cite-ref-montenbruck-s139-40-1[34]cite-ref-41[Anm. 6]

i0 = 0,0 + 0,0131·T ° Bahnneigung, bezogen auf die Ekliptik von J2000.0 Ω0 = 174,876 − 0,242·T ° LĂ€nge des aufsteigenden Knotens (Äquinoktium J2000.0) ϖ0 = 102,9400 + 0,3222·T ° LĂ€nge des Perihels (Äquinoktium J2000.0) L0 = 100,4656 + 35999,3720·T ° mittlere LĂ€nge (Äquinoktium J2000.0), L0 = M + ϖ0

Die Zeit T ist in Julianischen Jahrhunderten seit dem 1. Januar 2000, 12h TT zu messen, fĂŒr eine Julianische Tageszahl JD ist also T = (JD-2451545.0)/36525.

Angepasste Kepler-Elemente

Eine andere Möglichkeit, die Erdbahn inklusive eines Teiles der Störungen genĂ€hert durch Kepler-Elemente darzustellen, besteht darin, nicht die mittleren Bahnelemente zu ermitteln, sondern jene Elemente, welche die mittleren Bahnen beschreiben (aufgrund des nichtlinearen Zusammenhangs zwischen Bahnelementen und Bahn ist das nicht dasselbe). Die folgenden Kepler-Elemente wurden so gewĂ€hlt, dass die aus ihnen folgenden Bahnen ĂŒber einen bestimmten Zeitraum im Mittel möglichst gut mit der tatsĂ€chlichen Bahn ĂŒbereinstimmen.

Kepler-Elemente fĂŒr genĂ€herte Positionen des Erde-Mond-Schwerpunkts, bezogen auf die mittlere Ekliptik und das Äquinoktium fĂŒr J2000.0:cite-ref-explsuppl2013-s338-42-0[35]

1800 – 2050: a = 1,000 002 61 + 0,000 005 62 · T AE Δ = 0,016 711 23 − 0,000 043 92 · T rad i = −0,000 015 31 − 0,012 946 68 · T ° L = 100,464 571 66 + 35999,372 449 81 · T ° ϖ = 102,937 681 93 + 0,323 273 64 · T ° Ω = 0,000 000 00 + 0,000 000 00 · T °

Die mit diesen Elementen berechneten Positionen weisen wĂ€hrend des angegebenen Zeitraums 1800–2050 Fehler der folgenden GrĂ¶ĂŸenordnungen auf: Rektaszension 20", Deklination 8", Radiusvektor 6000 km.cite-ref-explsuppl2013-s338-42-1[35] Außerhalb dieses Zeitraums sollten die Elemente nicht benutzt werden.

3000 v. Chr. – 3000 n. Chr.: a = 1,000 000 18 − 0,000 000 03 · T AE Δ = 0,016 731 63 − 0,000 036 61 · T rad i = −0,000 543 46 − 0,013 371 78 · T ° L = 100,466 915 72 + 35999,373 063 29 · T ° ϖ = 102,930 058 85 + 0,317 952 60 · T ° Ω = −5,112 603 89 − 0,241 238 56 · T °

Die mit diesen Elementen berechneten Positionen weisen wĂ€hrend des angegebenen Zeitraums 3000 v. Chr. – 3000 n. Chr. Fehler der folgenden GrĂ¶ĂŸenordnungen auf: Rektaszension 40", Deklination 15", Radiusvektor 15000 km.cite-ref-explsuppl2013-s338-42-2[35] Außerhalb dieses Zeitraums sollten die Elemente nicht benutzt werden.

Die Zeit T ist in Julianischen Jahrhunderten seit dem 1. Januar 2000, 12h TT zu messen, fĂŒr eine Julianische Tageszahl JD ist also T = (JD-2451545.0)/36525.

Andere Bahndarstellungen

Sollen die Störungen vollstĂ€ndig berĂŒcksichtigt, die Bahn aber nach wie vor durch Kepler-Elemente dargestellt werden, so können oskulierende Kepler-Elemente verwendet werden, die jene Kepler-Ellipse beschreiben, welche sich der realen, gestörten Bahn am momentanen Ort des Planeten am besten anschmiegt. Die oskulierenden Elemente sind wegen der Störungen relativ rasch verĂ€nderlich und mĂŒssen daher auf einem entsprechend feinen Zeitraster tabelliert werden. Der Astronomical Almanac enthĂ€lt auf Seite E7 die oskulierenden Erdbahnelemente fĂŒr das jeweilige Jahr auf einem 40-Tage-Raster.

Statt durch Kepler-Elemente kann eine Planetenbahn auch durch Reihenentwicklungen fĂŒr LĂ€nge, Breite und Radiusvektor dargestellt werden. Die Störungen können durch HinzufĂŒgen geeigneter Terme berĂŒcksichtigt werden. Genaue Bahndarstellungen können viele tausend Terme enthalten, bei geringeren GenauigkeitsansprĂŒchen kann die Berechnung jedoch abgebrochen werden, sobald die gewĂŒnschte Genauigkeit erreicht ist. Die fĂŒr AlltagsansprĂŒche gedachte kurze Reihenentwicklung nach van Flandern und Pulkkinencite-ref-vanflandern-pulkkinen-1979-43-0[36] erzielt ĂŒber den Zeitraum von etwa 300 Jahren vor bis 300 Jahre nach der Gegenwart eine Genauigkeit von etwa einer Bogenminute. AufwĂ€ndigere Reihenentwicklungen sind z. B. die VSOP87 und die VSOP2013.

Die genaueste Berechnung von Ephemeriden wird durch numerisches Lösen der Bewegungsgleichungen erzielt. Das Ergebnis ist eine Tabelle mit tabellierten Planetenpositionen, aus denen der Benutzer die Position fĂŒr den gewĂŒnschten Zeitpunkt auslesen kann. Beispiele sind die verschiedenen „Development Ephemeris“ DExxx cite-ref-jpl-ftp-44-0[37]cite-ref-jpl-horizons-45-0[38] des JPL, die „Integration Numerique Planetaire de l’Observatoire de Paris“ INPOP cite-ref-imcce-inpop-46-0[39] des IMCCE, oder die „Ephemerides of Planets and the Moon“ EPM cite-ref-pitjeva-2013-47-0[40] des Instituts fĂŒr angewandte Astronomie der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Koorbitale Objekte

Die Erde wird auf ihrer Bahn um die Sonne von einigen koorbitalen Objekten begleitet. Diese kleinen Himmelskörper umkreisen die Sonne auf Bahnen, auf denen sie eine Àhnliche oder gar dieselbe Umlaufdauer haben wie die Erde. Aufgrund der geringen Relativgeschwindigkeit und mit Hilfe von Resonanzeffekten kann die Anziehungskraft der Erde diese Objekte mehr oder weniger dauerhaft in ihren koorbitalen Bahnen halten.

So lenkt die Erde den erdnahen Asteroiden Cruithne auf eine Hufeisenumlaufbahn entlang der Erdbahn. Der Asteroid 2003 YN107 war in den Jahren von 1996 bis 2006 ein Quasisatellit der Erde und wird bei der ĂŒbernĂ€chsten Begegnung im Jahr 2120 möglicherweise als wirklicher zweiter Mond von der Erde eingefangen werden. Der koorbitale Asteroid 2002 AA29 wechselt annĂ€hernd zyklisch zwischen einer Hufeisenumlaufbahn und einer Quasisatellitenbahn und wird das nĂ€chste Mal um das Jahr 2600 wieder fĂŒr 45 Jahre ein Quasisatellit der Erde sein.

Im Oktober 2010 wurde mit (706765) 2010 TK7 ein weiteres koorbitales Objekt der Erde entdeckt, das im Juli 2011 als erster Trojaner der Erde nachgewiesen werden konnte. Der ca. 300 m große Asteroid kreist auf einer stabilen Bahn um den Lagrange-Punkt L4 und damit 60° vor der Erde auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne.

Siehe auch
Weblinks

Wiktionary: Erdbahn

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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Anmerkungen

cite-note-10Anm. 1. ↑ Die scheinbare tĂ€gliche Wanderung der Sonne ĂŒber den Himmel ist lediglich auf die Erdrotation zurĂŒckzufĂŒhren: die Sonne wandert hierbei gemeinsam mit den Fixsternen ĂŒber den Himmel, und zwar nĂ€herungsweise parallel zum Äquator, nicht entlang der Ekliptik.
cite-note-13Anm. 2. ↑ Wenn die Erde diesen Punkt im Winter durchlĂ€uft, sieht sie die Sonne am gegenĂŒberliegenden Punkt im Sternbild SchĂŒtze stehen
cite-note-sekgrad-17Anm. 3. ↑ Die in der Quelle in Bogensekunden angefĂŒhrten Koeffizienten von t wurden hier der besseren Lesbarkeit wegen durch Division mit 3600 in Grad umgerechnet.
cite-note-varpi-18Anm. 4. ↑ Das Formelzeichen ϖ ist kein ω (omega) mit einer Tilde, sondern ein kursives π (pi).
cite-note-32Anm. 5. ↑ Der Vergleichbarkeit halber wurden die vor der Gregorianischen Kalenderreform liegenden Angaben auf einen fiktiven proleptischen Gregorianischen Kalender umgerechnet.
cite-note-41Anm. 6. ↑ FĂŒr T<0 bezeichnen i0 die negative Bahnneigung und Ω0 den absteigenden Knoten. Dies vermeidet den eigentlich vorhandenen aber rechnerisch unpraktischen Sprung in Ω0, wenn die aktuelle Ekliptik die Ekliptik von J2000.0 durchdringt.

Einzelnachweise

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cite-note-jpl-horizons-4538. ↑ Ephemeriden-Server des JPL zum direkten Abruf von Planetenpositionen: ssd.jpl.nasa.gov
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